Hoch in die Lüfte – oder: Auskranen – Saisonende 2017

 

Man muss immer etwas haben,

worauf man sich freut.

(Eduard Mörike, 1804 – 1875, deutscher Erzähler, Lyriker und Dichter)

Nun ist es also auch bei uns so weit: Die Rubicon hat ihr Element, das kühle Nass, für dieses Jahr verlassen, um sich in luftige Höhen zu bewegen und nun traurig und etwas verloren wirkend auf ihrem Stahlbock neben dem Hafenbecken zu stehen. Etwas wehmütig auf die vergangene und noch sehnsüchtiger auf die kommende Saison blickend. Auf das Ende des Winters wartend, der doch gerade erst begonnen hat.

Segelboot auf dem Bock im Winterlager Fehler Optima 92 Auskranen
Im Winterlager

Glücklicherweise ging beim Auskranen ansich alles problemlos vonstatten. Was man vom Drumherum natürlich mal wieder nicht sagen konnte. Dass wirklich alles mal glatt und nach Plan verläuft ist ja bekanntlich höchst selten der Fall.

Hin ging es also erstmal für Tom und mich an einem Freitagabend und wir läuteten das Wochenende selbstverständlich mit einem leckeren Essen im La Gondola ein (wo auch sonst ;-) ). Vorarbeiten, wie das Abschlagen der Segel, waren aufgrund von Regen an diesem Abend sowie der im Hafen herrschenden Dunkelheit weniger angebracht. Alle Laternen und Lichter im Umkreis befanden sich bereits im Winterschlafmodus und waren vom Hafenmeister ausgestellt worden, inklusive des Warmwassers der Duschen, grrrrr :-(. Auch Strom fanden wir erst nach längerer Suche. Sage und schreibe EINE Steckdose war noch eingeschaltet. So verschoben wir die geplanten Arbeiten auf den folgenden Samstag und machten uns erstmal einen gemütlichen Abend an Board, was bedeutete: Heizlüfter auf volle Pulle, Tisch runter, Matratze drauf, einmummeln,  Segelfilme anschauen und von der nächsten Saison träumen…

Lemmer am Ijsselmeer bei Nacht
Lemmer bei Nacht
Spareribs und Lachs im La Gondola in Lemmer
Essen im La Gondola Lemmer

Plan war nun, die Segel dieses Mal erst nach dem Auskranen abzuschlagen. Während uns der Samstag dann auch zunächst mit Sonnenschein begrüßte und wir den Motor auf der letzten Fahrt 2017 bei leicht blauem Winterhimmel warmfuhren, öffnete ebendieser, pünktlich als die Rubicon aus dem Wasser gehoben wurde, alle seine Schleusentore. Kaum hing unser Schätzchen in luftiger Höhe, gab der Wettergott wirklich alles. Es regnete in Strömen. Der Himmel trauerte mit uns.

Letzte Fahrt vorm Auskranen von Tom Hoffschwelle
Letzte Fahrt vorm Auskranen
Fahrt durch den Yachthafen Lemmer
Fahrt durch den Hafen
Auskranen Segelboot Dehler Optima 92 in Lemmer
Bereitmachen zum Auskranen
Auskranen eines Segelbootes in Holland Dehler Optima 92
Auskranen
Tom Hoffschwelle Segeln Auskranen Tommy Knox Janine
Traurig :-(

Einen weiteren Schauer bekamen wir, als wir das Unterwasserschiff in all seiner „Pracht“ erblickten. Man hätte meinen können, wir wären in der letzten Saison auf eine andere Farbe – nämlich schwarz – umgestiegen. Während das Unterwasserschiff  in der Saison zuvor beim Auskranen nämlich noch weitestgehend weiß anmutete und wir daher auch zu Saisonstart wieder weißes Antifouling auftrugen, war es nun (wir hatten ein in den Niederlanden zugelassenes Antifouling benutzt) von dichtem, schwarzem Schmodder bedeckt. Hatte man dem Farbeimer vielleicht ohne unser Wissen Dünger beigemischt? So kam es uns jedenfalls in diesem Moment vor. Nunja, jedenfalls musste der Hochdruckreiniger zeigen was er alles kann, um das leckere Glibberzeugs zu entfernen. Yammie! Und wir entschlossen kurzerhand: Im nächsten Jahr werden sowohl das Antifouling, als auch seine Farbe von uns gewechselt.

Hat das Antifouling versagt?
:-( Bah…
Auskranen eines Segelbootes Dehler Optima 92 in Lemmer Holland
Auskranen
Antifouling hat versagt
Lecker…
Auskranen, Segelboot am Kran, Dehler Optima 92, Holland
Am Kran…

Da das Wetter ab diesem Zeitpunkt wirklich so gar nicht mehr mitspielen wollte und das Großsegel pladdernass war, entschieden wir uns dazu, erst einmal nur das Vorsegel abzuschlagen und mitzunehmen. Der Rest sollte am darauffolgenden Wochenende folgen. Jedoch gab es zunächst ein ganz anderes Problem. Es trug den folgenschweren und bezeichnenden Namen „Leiter“, bzw. genauer gesagt „Leiter-in-RE“, denn besagtes Schmuckstück und unser einziger Weg an Board lag (wie sollte es auch anders sein) fein säuberlich verstaut im 250km entfernten Recklinghausen. In Dietmars Keller. Na sensationell! Wir schauten ziemlich dumm aus der Wäsche. Da hatten wir das wichtigste Teil doch allen Ernstes zuhause vergessen. Das konnte auch wieder einmal nur uns passieren. War es im letzten Jahr  noch der Autoschlüssel an Board in luftiger Höhe, der uns daran hinderte an unsere im Auto eingeschlossene Leiter zu gelangen, hatten wir nun doch glatt noch einen draufgesetzt und gleich mal die komplette Leiter zuhause liegen gelassen. Prost Mahlzeit. So hieß es dann also (wie bereits im Jahr zuvor): Ab zum Hafenmeister und um seine Leiter bitten, welche er uns glücklicherweise auch zur Verfügung stellte. Und uns ganz dick in den Kalender „Leiter nicht vergessen“ auf die To-Do-Liste für kommendes Wochenende einzutragen. Der Rest war dann glücklicherweise nur noch reine Formsache und so traten wir gegen Abend dann letztendlich vorerst die Heimreise an und ließen die Rubicon allein auf ihrem Bock stehend zurück.

Segelboot auf dem Bock im Winterlager mit Leiter Dehler Optima
Ausgekrant

Das darauffolgenden WE war wieder einmal zweigeteilt: Auf der einen Seite ein gemütlicher Samstag mit leckerem Essen und einem schönen Abend an Board (dieses Mal mit DVD), auf der anderen Seite der arbeitsreiche Sonntag, der ganz im Zeichen der Restarbeiten stand, wie Großsegel abschlagen und verstauen, Matratzen einpacken und verstauen, Sprayhood abnehmen sowie dem ganz großen Punkt: Basteln einer Abdeckung für den Winter. Was sich als schwieriger herausstellen sollte, als zunächst gedacht. Das Hantieren mit einer 4×6 Meter großen Plane unter Deck (da es draußen, wie sollte es auch anders sein, mal wieder in Strömen regnete) gestaltete sich äußerst kompliziert, sodass wir uns nach Maßnehmen sowie erstem Zurechtschneiden und Umnähen einer Seite dazu entschlossen, die weitere Arbeit auf eines der kommenden Wochenenden zu verlegen. Wir hatten ja glücklicherweise noch eine kleine Plane, die wir übergangsweise spannen konnten. Mal schauen, ob und wie es uns im Dezember gelingen wird, eine Abdeckung für die Rubicon zu zaubern. Wir werden sehen…

Tom Hoffschwelle und Janine Schaller Maßnehmen für eine Abdeckplane fürs Segelboot Segeln
Maßnehmen für die Abdeckplane
Zuschneiden und Maßnehmen für eine Abdeckplane für ein Segelboot
Maßnehmen für die Plane
Schlafplatz auf einer Dehler Optima 92 im Salon Tisch
Winterlager
Zuschneiden einer Abdeckplane für ein Segelboot
Ob das mal alles so klappt…?! ;-)

Zunächst einmal steht die Rubicon nun für die kommenden Monate an Land und wir blicken mit einem weinenden, aber auch mit einem lachenden Auge auf unseren roten Bomber auf seinem stählernen Bock: Ebenso wie Trauer und Wehmut, dass die Segelsaison 2017 schon wieder beendet ist (gefühlt haben wir eigentlich gerade erst eingekrant, so schnell verging die Zeit – geht euch das auch immer so?), begleiten uns zurzeit auf der anderen Seite aber auch Dankbarkeit und große Vorfreude.

Dankbarkeit für eine tolle und ereignisreiche Saison 2017. Und große Vorfreude auf die kommende, neue Saison, für die wir bereits Pläne schmieden. Träume hegen. Ideen entwickeln. Vorbereitungen treffen.

Wo wird es uns 2018 hin verschlagen? Norderney, Sylt, Helgoland, gegebenenfalls bei passendem Wind und Wetter die deutsche Ostsee waren ursprünglich geplante Ziele und befinden sich noch immer im Hinterstübchen. Die Dänische Südsee? Auch ein, wenn auch noch etwas entfernteres, zukünftiges Ziel. Wir liebäugeln jedoch mittlerweile vermehrt damit, es im kommenden Jahr einmal in die andere Richtung zu probieren. In Richtung Süden. Südholland, Belgien, vielleicht Frankreich? Wir werden sehen. Denn wie uns die vergangenen Jahre immer wieder gelehrt haben: Man kann planen so viel und so lange man will, im Endeffekt ist man vom Urlaub (der bei Tom leider eher etwas begrenzter ist) und natürlich von Wind und Wetter abhängig. Aber das ist ja auch mitunter das Schöne an diesem Hobby: Das Miteinander, die Interaktion, der Einklang mit Wetter und Natur.

Freiheit des Segelns: Segeln auf der Nordsee und dem Ijsselmeer bei blauem Himmel und Wind
Rückblick Herbst: Herrlichstes Segelwetter

Also heißt es nun ersteinmal grobe Pläne machen. Das Grundgerüst erstellen. Die notwendigen Voraussetzungen erarbeiten und erledigen. Um dann frischen Mutes und gut vorbereitet in die nächste Saison zu starten, sodass uns möglichst viele Möglichkeiten offenstehen.Denn womit wir bisher gut gefahren sind: Immer in kleinen Schritten voranschreiten. Sicherheit, Spaß und ein gewisses Maß an Entspannung gehen vor. Immer ein wenig mehr. Ein wenig weiter. Aber nicht übertreiben.

Und zum Bereich Sicherheit zählt natürlich auch, unsere Rubicon für die kommende Saison fit zu machen. Die Liste ist lang und reicht über kleinere optische Verbesserungen (neuer Teppich, Gardinen, Kissen etc.) über wichtige, aber nicht zwingend notwendige Dinge (neuer Batteriemonitor etc.) bis hin zu sicherheitsrelevanten und wichtigen Arbeiten, wie zum Beispiel der Überprüfung von Ruderlager, Seeventilen, Saildrivemanschette, Abdichten (oder komplette Erneuerung) der Decksfenster, usw. usw.

Und wenn man es bei all den geplanten Arbeiten genau betrachtet: So lang ist es eigentlich gar nicht mehr hin, bis unser rotes Schätzchen wieder in sein Element zurückkehrt. Wenn Mutter Natur mitspielt sind es nur noch schlappe 3 Monate. 12 Wochen. Das klingt doch gar nicht mehr allzuweit entfernt…

Foto vom Segeln in den Sonnenaufgang auf der Nordsee Richtung Borkum
Sommerrückblick: Segeln in den Sonnenaufgang

Und trotz allem – wie jedes Jahr stellen wir uns die Frage: Muss das alles sein? Wäre es nicht schöner, einen Winter über im Wasser zu verbleiben? Ist das gefühlsmäßige Auf und Ab, das uns immer wieder einholt, die Trauer und Wehmut beim Auskranen, auf welche Freude und Enthusiasmus beim Einkranen folgen, wirklich notwendig? Viele Arbeiten lassen sich zudem auch etwas leichter erledigen, wenn man nicht immer erst eine Leiter hochkraxeln muss, um aufs Schiff zu gelangen oder in luftigen und leicht wackligen Höhen hantieren muss. Neben all den anderen Überlegungen und Planungen sind wir daher auch dabei uns schlau zu machen, welche Möglichkeiten es gibt, einen Winter im Wasser zu bleiben. Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein? Macht es Sinn? Was passiert, wenn das Wasser im Hafen doch mal einfriert (was seit Jahren nicht passiert ist). Wie muss das Unterwasserschiff dafür vorbereitet werden? Fragen über Fragen…

Hat vielleicht jemand von euch Erfahrung im Überwintern im Wasser? Oder Tipps und Tricks für uns parat?

Bis dahin

liebe Grüße

Janine & Tom

(Die geschilderten Ereignisse trugen sich an den WE 17./18.11.2017 und 25./26.11.2017 zu.)

 

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8 Kommentare

  1. Bonusheld.de sagt:

    Und wann geht es wieder auf Tour? Super schöner und interessanter Blog, übrigens? Beste Grüße von der Ostsee.

    http://www.bonusheld.de

  2. jrubicon sagt:

    Hallo Dörte und Felix,

    vielen Dank :-)

    Wir wünschen euch auch ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2018!

    LG
    Janine & Tom

  3. Hallo ihr 2,
    ihr habt eine schöne Optima und um die tollen Luftaufnahmen kann man euch nur beneiden. Werden euch im nächsten Jahr wieder „besuchen“.
    Wir wünschen euch ein schönes Weihnachtsfest und ein glückliches Jahr 2018
    LG
    Dörte u Felix
    SY Festina lente

  4. sybrynja sagt:

    Schau mal in unserem Blog, da sind Fotos aus Wintern verschiedener Intensität drin.

  5. jrubicon sagt:

    Hallo Frank,

    vielen Dank für Deine Rückmeldung. Das beruhigt uns ja etwas. ☺️ So hätten wir es auch vor: Einen Winter an Land und einen Winter im Wasser.
    Weißt du wie es aussieht, wenn das Wasser doch gefriert? Ob das Boot dann Schaden nehmen kann?

    Viele Grüße

  6. sybrynja sagt:

    Winter im Wasser ist in NL normal. Bei der Compromis stand in der Betriebsanleitung, man solle evtl. die Badeleiter im Winter abmontieren. Sonst würden Schlittschuhläufer die als Rastplatz nutzen…
    Viele machen abwechselnd einen Winter an Land und einen im Wasser. Dafür reicht übrigens das billigste Antifouling, viel mehr als diesen Schleim hat man am IJsselmeer auch nach zwei oder drei Jahren im Wasser nicht.
    Die Versicherung hat auf Nachfrage auch keine Probleme mit Überwinterung im Wasser.

    Viele Grüße, Frank

  7. jrubicon sagt:

    Vielen Dank ☺️ Es wird jetzt von uns hier auch wieder öfters etwas zu lesen geben. Die aktive Saison haben wir dieses Jahr mal eher fürs Segeln (und Arbeiten 🙈) genutzt bzw. nutzen müssen.

    Dann seid ihr ja auch lange im Wasser geblieben. Super 🙌🏻 Wir werden wohl unseren Winterlagerplatz im kommenden Jahr wechseln, da unser Hafenmeister da etwas „unentspannt“ ist und lieber heute als morgen alle Boote an Land haben möchte 🙈 Mal schauen wo es hingeht. Oder vielleicht bleiben wir auch mal 1 Winter im Wasser…

    75sm bei den Temperaturen – Chapeau! Also liegt ihr den Winter über in Hamburg? Dort müssen wir auch mal wieder hin. Sehr schöne Stadt!

    Liebe Grüße ⛵️

  8. sehr schön :) wir waren fast zeitgleich mit unserer Belle-Ile zum Kranen unterwegs. Nur mussten wir am Wochenende vorher noch gut 75 sm von Travemünde nach Hamburg zurücklegen. Bei dem Wetter auch nicht der größte Spaß :-D

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