Die Zeit vergeht wie im Flug: 2 Jahre Segeln auf der  Rubicon 

Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen. (Lucius Annaeus Seneca)

Rückblick

Wie schnell doch die Zeit vergeht… Ist es tatsächlich bereits 2 Jahre her, dass wir unsere 1. Fahrt (damals noch die Probefahrt) auf der Rubicon gemacht haben? Ein Blick in den Kalender am Pfingstwochenende lies jedoch keine Zweifel offen: Tatsächlich. 2 Jahre. Die 3. Saison. Segeln auf unserem roten Schätzchen. Und diese Zeit haben wir wirklich intensiv genutzt. Egal welches Wetter – jede sich uns bietende Möglichkeit haben wir genutzt, unseren roten Bomber in Lemmer zu besuchen. Und werden dies auch weiterhin so machen.

Klar ist es oft mit viel Fahrerei verbunden – das IJsselmeer liegt nunmal nicht im Ruhrgebiet – aber sobald wir aus dem Wagen steigen, ist die Fahrt vergessen und ein Grinsen schleicht sich auf unsere Gesichter. Man sollte (so finden wir), egal wie viel oder wenig Zeit man zur Verfügung hat, diese dafür nutzen, die Dinge zu tun, die einem wirklich Freude bereiten. Sonst blickt man irgendwann einmal zurück und denkt sich „ach hätte ich doch damals…“. Zeit lässt sich nunmal nicht zurückdrehen.

Jetzt sind sie also um. Die ersten 2 Jahre mit dem eigenen Segelboot. 2 Jahre Wind, Sturm und Flaute. Segeln bei Sonne, Regen und Wolken. Kälte und Hitze. Freude und Ärger. Entspannung und angespannte (manchmal auch aus dem Ruder laufende) Nerven. Und vor allem Wasser in sämtlichen Aggregatzuständen – am liebsten natürlich unterm Schiff und nicht IM Schiff. Das hat zwar bisher nicht immer geklappt – es stattet uns weiterhin in der Bilge (und neuerdings auch am Fenster) immer mal wieder einen kleinen Besuch ab und scheint nachschauen zu wollen, wie es mit unseren (vor allem mit Toms) Nerven so bestellt ist – aber wir arbeiten dran ;-) Auch unser kleiner persönlicher Klabautermann scheint sich weiterhin sehr heimisch zu fühlen und mag uns nicht so wirklich loslassen. Aber seien wir mal ehrlich – irgendwie haben wir ihn ja mittlerweile auch ein wenig lieb gewonnen. Naja, ein klein wenig. …wenn wir ihn nicht gerade mal wieder zum Teu…l wünschen… was so 1 bis 5x am Wochenende vorkommen kann.. aber ansonsten haben wir ihn schon irgendwie lieb, denn ohne ihn hätten wir hier wohl viel weniger zu erzählen ;-)

Pfingsttörn

Passend zum Jubiläum ging es am Pfingstwochenende nach langer Zeit mal wieder zu dritt zum Schiff. Dietmar war mit von der Partie. Los ging es Freitag Abend – dieses Mal auf einer komplett neuen Route, da alle Zufahrten in Richtung Holland aufgrund des langen Wochenendes restlos im Stau versanken. Ein Hoch auf das Autonavi, das uns zum Glück brav und zuverlässig um den Stau herum dirigierte. Immerhin EIN technisches Gerät, das an diesem Wochenende funktionieren sollte… leider eines der wenigen, wie sich später herausstellen sollte…

Kaum in Lemmer angekommen und alle Sachen verstaut, hörten wir draußen einen lauten Knall. Was war denn das nun schon wieder? Ein Blick aus dem Fenster und wir staunten nicht schlecht: Feuerwerk überm Beach. Da fing das Wochenende ja schonmal gut an :-)

Samstag – Lemmer, Warns

Der Samstag begrüßte uns dann leider nicht mehr so sonnig, wie uns der Freitag verabschiedet hatte. Dichte Wolken bedeckten den zuvor noch blauen Himmel und der Regenradar sagte mehrere herannahende große Regenfelder voraus. Da wir ja im Urlaub und nicht auf der Flucht waren, entschieden wir den Tag langsam zu beginnen und ließen Rubicon zunächst einmal Rubicon sein und gingen in der Stadt gemütlich einen Kaffee trinken. Gute Entscheidung! In Lemmer war Pfingstmarkt und überall sah man Stände, an denen Waren und leckere Speisen und Getränke angeboten wurden. Wir merkten mal wieder, dass wir doch alles richtig gemacht hatten, unseren Liegeplatz in Lemmer zu behalten. Auch bei nicht so gutem Wetter ist hier immer etwas los. Als der Himmel gegen Mittag aufzuklaren begann und sogar die Sonne vorsichtig hervorlugte, als wolle sie zunächst einmal die Lage checken, entschieden wir uns zum Schiff zurückzukehren und Binnen in Richtung Heeg/ Warns aufzubrechen, um am folgenden Tag in Stavoren durch die Schleuse wieder raus aufs IJsselmeer zu fahren. Zum Einen waren wir schon lange nicht mehr Binnen unterwegs gewesen, zum Anderen war so gut wie gar kein Wind angesagt – was wiederum bedeutete, dass wir auf dem IJsselmeer vermutlich nicht allzulange allein auf dem Schiff sein würden. Das Partyvolk (besser bekannt als IJsselmeerfliegen) schien bereits in den Startlöchern zu stehen. Und darauf hatten wir alle drei keine wirkliche Lust.

Also hieß es Leinen los: Ab durch die kleine Schleuse, durch die Brücke, dann durchs überfüllte Lemmer und wieder durch ein paar Brücken. In der Zwischenzeit schien sich Frau Sonne dann wohl auch entschieden zu haben: Sie war mit von der Partie und begleitete uns. Den Weg durch das Sloter-Meer sparten wir uns dieses Mal jedoch. Hatten wir doch die vergangenen Male dort immer auch mittig in der Fahrrinne Grundberührung. Und auf Zwischenfälle dieser Art konnten wir getrost verzichten. Zu unserer großen Freude kam dann auf halbem Weg sogar doch mehr Wind auf, als angesagt  – und dann sogar noch aus der richtigen Richtung – sodass wir einen Großteil der Strecke die Segel setzen konnten. So ging es also unter Segeln vorbei an Heeg und Richtung Warns, wo wir im Hafen de Vrijheit übernachteten und bei einem (na gut… eher mehreren) Jackies den schönen Sonnenuntergang genossen.

Sonntag – Makkum, Hindeloopen

Auch am Pfingstsonntag begrüßte uns Frau Sonne in ihrer ganzen Pracht und kitzelte uns bereits in aller Frühe mit ihren Strahlen aus der Koje. Für Toms und mein Gefühl etwas ZU früh. Während wir beide uns am liebsten nochmal umgedreht und die Decke über den Kopf gezogen hätten, sprang Dietmar bereits munter wie ein Fisch im Wasser durchs Boot und war begierig darauf abzulegen.
So hieß es denn auch recht früh Leinen los und auf in Richtung Schleuse Stavoren, welche bei dem tollen Wetter natürlich „fully booked“ war. Uns beschlich das Gefühl, alles, was sich auch nur ansatzweise auf dem Wasser fortbewegen konnte, war in Richtung IJsselmeer unterwegs. So voll hatten wir es selten erlebt. Aber bei dem Wetter war dies auch kein Wunder: Herrlichster Sonnenschein. Wind. Warm. Perfekt. Daher entschlossen wir uns kurzerhand, zunächst am eigentlich Ziel Hindeloopen vorbei zu segeln und Makkum für eine Kaffeepause einen Besuch abzustatten. Hier folgten wir dem Tipp der SY De Twee Gebroeders und fuhren die Makkumer Einfahrt bis ganz zum Ende durch, wo wir dann rechts abbogen. Hier konnte man prima in recht großzügigen Boxen festmachen und lag sehr nah an der Makkumer Schleuse. Auch der dortige Hafenmeister war äußerst freundlich und zuvorkommend. Perfekt!

Segeln auf dem Ijsselmeer
Endlich Sommer :-)
Segeln - Tom Hoffschwelle und Janine Schaller
Pfingsttörn

Nach einem leckeren Kaffee in der Stadt und einem kleinen Rundgang, wollten wir wieder ab aufs Schiff, um nicht zu spät in Hindeloopen anzukommen. Der Weg über die Schleuse, oder vielmehr über die dort herüberführende Brücke, stellte sich jedoch als weitaus schwieriger und langwieriger dar, als gedacht. Eigentlich ein relativ einfacher und meist schneller Vorgang: Schleuse auf, Brücke hoch, Schleuse zu, Schleusenvorgang, Schleuse wieder auf und Brücke wieder runter. Aber falsch gedacht. Es bot sich uns Schleusenkino pur: Ein großes Motorboot fuhr in die Schleuse ein und benötigte nahezu den gesamten Raum. Das erkannte auch die etwas größere Segelyacht dahinter, blieb vorsorglich draußen und wartete – wurde jedoch von der Schleusenwärterin nach einiger Zeit aufgefordert, doch noch gemeinsam mit einem kleineren Motorboot in die Schleuse einzufahren. Und prompt ging es in ebendieser drunter und drüber. Die Boote versuchten sich irgendwie hineinzuzwängen und wir fühlten uns kurzzeitig in die 80er Jahre zurückversetzt: TETRIS ließ grüßen.

Nach minutenlangem Hin und Her, schloss sich schließlich das Schleusentor – nur um sich nach weiteren Minuten wieder zu öffnen, da festgestellt wurde: Das passt so nicht. Es waren zwar endlich irgendwie alle Boote drin – aber das andere Tor  (das sich ja bekanntlich nach INNEN öffnet) konnte natürlich nicht mehr geöffnet werden, wenn alle Boote bis zu ebendiesem Tor eingequetscht liegen. Welch eine Erkenntnis! Also alles zurück auf Anfang: Großes Segelboot wieder raus, kleines Motorboot legte sich quer in die Schleuse vor das rückseitige Tor und großes Motorboot rückte wieder einen Meter zurück. Et Voila! Endlich passte es. Genau auf die Uhr geschaut haben wir nicht, aber ein neben uns stehender Mann war in der Zwischenzeit 2x mit seinem Rad zum Jumbo einkaufen gefahren und die Schlange an Autos war kaum noch zu zählen…

Auf der Brücke in Makkum
Auf der Brücke in Makkum
Makkum
Makkum
Latte Macchiato
Kaffeepause in Makkum
Makkum
Makkum

Mit einiger Verspätung legten wir also in Richtung Hindeloopen ab und bekamen unterwegs den 1. Dämpfer: Sowohl mit unserer Temperaturanzeige als auch mit unserer Betriebsstundenanzeige schien etwas ganz und gar nicht zu stimmen. Na toll! Neue Baustelle… Also neue Punkte auf unserer Liste: Checken von Temperaturanzeige und Betriebsstundenanzeige.

Segeln auf der Rubicon mit Tom Hoffschwelle und Janine Schaller
Unterwegs- Segeln auf dem IJsselmeer

Vater und Sohn
In Hindeloopen angekommen staunten wir nicht schlecht, als wir dort in den Gemeindehafen einfuhren: Es war vor lauter Schiffen kaum noch Wasser zu erkennen. Da wir keine Lust hatten, uns auch noch in dieses Getümmel zu quetschen, suchten wir uns ein Plätzchen im Jachthaven und Tom versuchte die Gunst der Stunde zu nutzen (es war gerade mal etwas weniger Wind), die von seinem Arbeitskollegen geliehene Kletterausrüstung auszuprobieren. Das Ziel „Dreifarbenlaterne“ (jaja, ihr habt richtig gehört, sie brennt noch immer nicht) wurde jedoch kurzerhand in das (zumindest für nicht-involvierte Zuschauer lustige) Spiel „Fang das Spi-Fall“ umfunktioniert – denn ebendieses löste sich plötzlich, rauschte nach oben, baumelte munter in den Höhen des Mastes und ließ uns drei mit großen Augen am Boden zurück. Ich schätze wir haben in dem Moment einem jeden Koboldmaki Konkurrenz gemacht. Der anschließende Versuch, das Fall wieder herunter zu angeln, sah vermutlich wenig graziös aus und lieferte unseren Nachbarn dann doch mehr Hafenkino als die Mastkletteraktion es getan hätte – war jedoch immerhin erfolgreich: Tom angelte in seinem Klettersitz baumelnd mithilfe des Bootshakens minutenlang nach dem Fall und es gelang ihm schließlich nach etlichen Fehlversuchen, den Schäkel zu ergattern und das Fall zu sichern. Was hatten wir anschließend die Nase voll!

Hafen Hindeloopen
Gemeindehafen Hindeloopen
Hindeloopen
Hindeloopen
Kirche Hindeloopen
Kirche Hindeloopen

Mastklettern
Die Aktion „Dreifarbenlaterne“ wurde kurzerhand auf eines der kommenden Wochenenden vertagt. Wir brauchten erstmal ein Bier. Oder zwei. Also hieß es ab ins El Paso – erstmal lecker essen und trinken. Und wie es der Zufall so will – wer betrat kurz nach uns das Lokal? Die Crew der SY Paikja, die gerade ihre erste Tour auf ihrem neuen Schiff absolvierte. Was ein Zufall! Mit einem Eimer Desperados bewaffnet ging es daher nach dem Essen noch rüber zur Paikja aufs Schiff anstoßen (schöne Grüße an dieser Stelle an euch beide) – was waren wir am nächsten Tag ko.

Montag – Stavoren, Lemmer

Dementsprechend langsam ließen wir auch den Tag beginnen. Zumal wir es eh nicht eilig hatten nach Lemmer zurückzukehren – keiner von uns hatte Lust, sich in den Stau zu stellen. Also ging es erst gegen Mittag los – dann jedoch richtig. Der Wind hatte stark aufgefrischt und blies uns in Böen bis 27 Knoten entgegen. Endlich mal Action! Herrlich! – wir genossen die Fahrt, bis uns auffiel, dass unser GPS-Gerät nicht mehr funktionierte. Na sensationell. Was war denn nun schon wieder los? Erst die Temperaturanzeige. Dann der Betriebsstundenzähler. Nun das GPS. Muss das denn wieder sein? Dem Ganzen werden wir wohl am kommenden Wochenende auf den Grund gehen müssen. Ein weiterer Punkt auf der to-do-Liste…

Janine Schaller und Tom Hoffschwelle Tommy Knox
Prost :-D
Sonnenuntergang Hafen
Sonnenuntergang im Hafen von Hindeloopen
Sonnenuntergang Hafen Hindeloopen
Abend im Hafen

Kurzerhand entschlossen wir uns, einen kleinen Zwischenstopp im alten Hafen von Stavoren einzulegen und uns dort ein Eis zu gönnen – absolut richtige Entscheidung. Kaum legten wir an, begann nämlich ein kleines Musikorchester aufzuspielen. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort :-) So ging es wieder etwas besänftigt zurück nach Lemmer und anschließen back home. Bis zum nächsten langen Wochenende. Ob wir es dann endlich auf den Mast schaffen? Daumen drücken…

Ein Video zu unserem Törn, Drohnenvideos und weitere kleine Filme findet ihr auf unserem Youtube-Kanal.

Bis dahin,

viele Grüße

Janine & Tom

Hasenohren

Segeln - Tommy Knox und Janine Schaller

Konzert im alten Hafen Stavoren
Stavoren

Dehler Optima 92

Janine Schaller Tom Hoffschwelle
2 Jahre SY Rubicon

 

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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. jrubicon sagt:

    Vielen Dank. Ja, das denken wir auch. Einmal infiziert – immer infiziert 😂🙈 Aber Segeln ist auch einfach das schönste Hobby, das es gibt ⛵️
    LG

  2. jrubicon sagt:

    Danke ☺️ Die Zeit vergeht sooo schnell. Wir hätten ihn auch fast verpasst 🙈 Dann dir auch nochmal herzlichen Glückwunsch zum 4-Jährigen 🎉 Und dir auch eine gute Fahrt und immer eine Handbreit.

  3. Der Segelvirus –
    Den werdet ihr lebenslänglich nicht mehr los.
    Viel Freude weiter mit eurem Boot!

    Rainer
    http://www.sailing-rainer.eu

  4. Heinz sagt:

    Schön geschrieben. Auch die Idee mit dem Rückblick finde ich gut. Meinen 4. Jahrestag habe ich doch glatt verpasst. Muß vielleicht auch noch mal erwähnen ;-) Gute Fahrt weiterhin!

  5. jrubicon sagt:

    Vielen lieben Dank ☺️❤️

  6. sweetkoffie sagt:

    Hach…. ich beneide euch … Alles Liebe und immer eine Hand breit Wasser unterm Kiel ♥️

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